Zum Regierungsentwurf zur strategischen Weiterentwicklung der Hochschulen in Niedersachsen
Berlin, 14.April 2026. Der Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands (VPU e.V.) begrüßt die Novellierung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes grundsätzlich als wichtigen Schritt zur Modernisierung und strategischen Weiterentwicklung der Hochschulstrukturen im Land Niedersachsen. Positiv bewertet der VPU e.V. insbesondere die vorgesehenen Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Studium und Pflegeverantwortung, zur Stärkung von Diversität und Diskriminierungsschutz sowie die Ansätze zur Weiterentwicklung von Hochschulorganisation und Karrierewegen.
Mit Blick auf die Hochschulmedizin sieht der VPU e.V. jedoch einen wesentlichen Nachbesserungsbedarf. Aus pflegefachlicher Sicht weist der Regierungsentwurf eine zentrale strukturelle Lücke auf: Die professionelle Pflege ist auf Vorstandsebene bislang nicht als eigenständiger und gleichberechtigter Verantwortungsbereich verankert.
„Wer Spitzenmedizin will, muss auch die Leitungsstrukturen konsequent interprofessionell aufstellen. Die Pflege trägt zentrale Verantwortung für Patient:innensicherheit, Versorgungsqualität, Personalentwicklung und Innovation. Es ist deshalb nicht mehr zeitgemäß, pflegefachliche Expertise nur nachgelagert zu organisieren, anstatt sie dort einzubinden, wo die strategischen Entscheidungen getroffen werden“, betont Torsten Rantzsch, Vorstandsvorsitzender des VPU e.V.
Die Krankenhausversorgung ist ohne professionelle Pflege nicht denkbar. Pflegefachpersonen tragen maßgeblich Verantwortung für Patient:innensicherheit, Versorgungsqualität und die Kontinuität der Behandlung. Internationale Studien zeigen, dass eine gute pflegerische Personalausstattung, ein unterstützendes Arbeitsumfeld und eine starke pflegerische Führung mit niedrigeren Komplikationsraten, geringerer Mortalität und höherer Patient:innenzufriedenheit verbunden sind.
Auch für die wirtschaftliche und personelle Stabilität der Einrichtungen ist pflegerische Führung von zentraler Bedeutung. Einrichtungen mit starker pflegerischer Leitung weisen nachweislich eine höhere Mitarbeiter:innenzufriedenheit, geringere Fluktuation und stabilere Versorgungsstrukturen auf. Darüber hinaus beeinflusst Pflege wesentliche Qualitätsdimensionen wie Infektionsprävention, Wiederaufnahmeraten, Verweildauer und interprofessionelle Koordination.
Universitätskliniken sind zugleich zentrale Orte pflegewissenschaftlicher Entwicklung, Forschung und Innovation. Neue Versorgungsmodelle, Advanced Practice Nursing, Digital-Health-Anwendungen und weitere innovationsgetriebene Entwicklungen entstehen im direkten Patient:innenumfeld und erfordern eine enge Verzahnung von Praxis, Wissenschaft und strategischer Steuerung. Aus Sicht des VPU e.V. können diese Potenziale jedoch nur dann nachhaltig genutzt werden, wenn die Pflegedirektion auch auf Vorstandsebene mit entsprechender Zuständigkeit, Entscheidungskompetenz und Ressourcenverantwortung vertreten ist.
Der VPU e.V. fordert deshalb die gesetzliche Verankerung der Pflegedirektion als gleichberechtigtes Mitglied der Vorstände von Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen, neben den Ressorts Forschung und Lehre, Krankenversorgung sowie Wirtschaftsführung und Administration.
Die Pflegedirektion muss dabei
- als eigenständiges Vorstandsressort mit klarer Zuständigkeit verankert werden,
- gleichberechtigt an strategischen Entscheidungen mitwirken
- sowie über angemessene Ressourcen- und Budgetverantwortung verfügen.
„Unser Anliegen ist kein berufsständisches, sondern ein qualitäts-, leistungs- und betriebswirtschaftlich begründetes. Eine moderne, leistungsfähige und zukunftsorientierte Hochschulmedizin ist ohne gleichberechtigt eingebundene pflegerische Führung nicht mehr zeitgemäß. Spitzenleistung entsteht dort, wo die zentralen Professionen auch in der strategischen Steuerung gemeinsam Verantwortung tragen“, so Torsten Rantzsch weiter.
Der VPU e.V. hat seine Stellungnahme den zuständigen politischen Entscheidungsträger:innen in Niedersachsen übermittelt und steht für einen vertieften fachlichen Austausch zur weiteren Ausgestaltung der Hochschulmedizin zur Verfügung.
_________________________________________
Über den VPU e.V.
Der Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands e.V. (VPU) ist der Managementverband leitender Pflegefachkräfte an den deutschen Universitätskliniken. Die 36 im VPU organisierten Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren repräsentieren etwa 65.000 Pflegende an deutschen Universitätskliniken. Ziel der Verbandsarbeit ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine qualitätsorientierte Pflege. Sitz der Geschäftsstelle des VPU e.V. ist Berlin. Website: www.vpuonline.de